Der Titel dieser tagebuchartigen Aufzeichnungen leitet sich von einer farbigen Reproduktion ab:
Die Darstellung des Paradiesgärtleins war in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts verbreitet, besonders in Deutschland. Man gab dem Thema auch noch andere zärtliche Namen: Maria in der Rosenlaube, Maria im Rosenhag. Solche anrührenden Bilder entstanden in einer Zeit besonderer Verfeinerung, während einer kulturellen Hochblüte. In der Kunstgeschichte prägte man für diesen Zeitabschnitt den Begriff des Weichen Stils, der Schönen Madonnen.
Das Bild lebt noch aus der Mystik des 14. Jahrhunderts, aus dem Bewusstsein, dass sich Gott und Mensch in Liebe und Einssein begegnen, dass der Mensch ganz in Gott aufgeht und das Paradies zum Geschenk erhält. Solch mystischer Höhenflug ist hier freilich herabgemildert zum religiösen Idyll.
PARADIESGÄRTLEIN – es präsentiert mystische Bilder, die man aus den Visionen der Propheten entwickelt hatte, Sinnbilder und Vorbilder Mariens. Der verschlossene Garten, die versiegelte Quelle.
PARADIESGÄRTLEIN – eine Utopie, eine Illusion und doch unausrottbar. Nimmt man dem Menschen diese Illusion, raubt man ihm ein Stück Herz.
Für die Autorin bedeutet dieses Bild jedoch mehr als der Gegenstand einer kunstwissenschaftlichen Betrachtung. Es verbindet sich mit Sehnsucht auch im Alltag, mit der Fahndung nach sich selbst, mit Freude und Kreativität – eine lebenslange Haltung.
Dazu passt die Tagebuchnotiz vom 2. Februar:
Ich werde trotz allem den Garten noch einmal umgraben. Es wäre schade um Kartoffeln und Gemüse, auch um die Erdbeeren. In diesem Jahr könnte ich ja noch einmal ernten. Und trotz allem: ich werde eine Reise nach Ungarn planen. Immer unterwegs, niemals fertig, niemals ein Abschluss. Immer ein Kampf zwischen Idyll und Realität, Träumen und Abmachungen, zwischen der großen Welt und meinem kleinen Leben.


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