Im frühen 18. Jahrhundert drangen erstmals Frauen in größerer Anzahl in den Literatursektor ein. Sie verkörperten den Typus der »gelehrten Frau«; einige von ihnen fanden Zugang zum Autorenstatus und avancierten zu »gekrönten Poetinnen«. Schon in der Mitte des Jahrhunderts wurde ein anderer Frauentypus favorisiert: die Empfindsame, die »schöne Seele«. Höhepunkt und vorläufiger Abschluß dieses ersten Vordringens der Frauen in den literarischen Diskurs war die Romantik. – Silvia Bovenschen erörtert anhand prägnanter Beispiele den Zusammenhang zwischen dem weitgehenden Ausschluß der weiblichen Phantasie aus der kulturellen Produktionssphäre und der männlich normierten Darstellung der Frau in Literatur, Ästhetik und Philosophie. Ihr Buch handelt von der »Geschichte der Geschichtslosigkeit« der Frauen. Es deckt die lange Spur eines Denk- und Sprechverbots auf.
Inhaltsverzeichnis
I Schattenexistenz und Bilderreichtum
Zur Struktur kultureller Reprasentanzen des Weiblichen
1. Die Reduktionstheorien
2. Die Erginzungstheorien
3. Inszenierung der inszenierten Weiblichkeit: Wedekinds »Lulu« paradigmatisch
4. Kurze Bemerkung zum Thema »Gleichheit und Differenz«
II Die tugendhafte Vernunft und die natürliche Tugend
Zur Geschichte der kulturellen Repräsentanzen des Weiblichen
A Kulturelle Stereotypien als methodisches Problem
B Die »weibliche Gelehrsamkeit« und die gelehrten Frauen
Das Leben der Anna Maria Schürmann – Paradigma eines Kulturtypus
Gelehrsamkeit, moralische Belehrung und die Tiicke der Weiblichkeitsbilder
Die luxurierenden Imagines und das rationalistische Bildungsprogramm
III Poetologische Voraussetzungen für eine Sprecherlaubnis
5. Poetischer Kanon und der programmierte weibliche Diskurs
6. Die Gelehrte und das Haus
IV Weibliche Empfindsamkeit , das Bild der Empfindsamen und die empfindsamen Autorinnen
Anna Louisa Karsch, die Sappho aus Züllichau – Paradigma eines Kulturtypus
Die Feminisierung der Kultur und die programmierte Inkompetenz der Frauen: empfindsame Kritik der weiblichen Gelehrsamkeit
Sophie oder Über die Erziehung zur Ungleichheit
V Stille Einfalt – eine empfindsame Bestimmung des Weiblichen
Fräulein von Sternheim contra Mme. de La Roche
VI Der Briefroman ein trojanisches Pferd. Die Kritik an den gattungspoetischen Schranken und die natürliche Schrankenlosigkeit der Frauen
7. Die Ohnmacht des schönen Verstandes und die Vermögen der ästhetischen Urteilskraft
VII Poetologische Begründungen poetischer Inkompetenz
Schlussbemerkungen
Literaturverzeichnis










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